Das Notebook immer griffbereit: IT-Fachmann und DiConsus-Gründer Timo Büchner auf dem Stadtmarkt seiner Heimatstadt Wolfenbüttel.

„Auf Augenhöhe“ – DiConsus als Gründer des Monats von der IHK vorgestellt

Das IHK Magazin hat in seiner neuesten Ausgabe in der Rubrik „Gründer/in des Monats“ über uns berichtet. Herzlichen Dank an Christoph Matthies und das Team der IHK für den tollen Artikel.

Auf Augenhöhe

Gutes noch besser machen – dieses Motto hat sich Timo Büchner mit seiner DiConsus GmbH auf die Fahnen geschrieben. Der IT-Dienstleister und -Berater aus Wolfenbüttel setzt dabei auf eine moderne Art der Mitarbeiterführung.

Als er sich Ende 2017 selbstständig machte, hatte Büchner einige gute Gründe, sein Angestelltenverhältnis gegen die Rolle des Geschäftsführers einzutauschen. Viele davon hatten mit seinen Erfahrungen bei vorherigen Arbeitgebern zu tun. »Ich hatte in den IT-Abteilungen der Unternehmen eigentlich alles gemacht, was man machen konnte«, beschreibt der heute 33-Jährige einen wichtigen Impuls zum Aufbau seines Start-ups. Und nachdem er auf dem Stuhl des Team- und Abteilungsleiters bereits Platz genommen hatte, sollte es nun der Chefsessel sein. Denn in relativ kurzer Zeit erlebte respektive lernte Büchner einiges und identifizierte jede Menge Verbesserungspotenzial in den verschiedensten Bereichen. Teilweise waren »Projekte unheimlich schlecht gemanagt«, erinnert er sich an seine früheren Karrierestationen, vor allem aber ärgerte er sich darüber, wie die Angestellten behandelt wurden: »Ich habe immer wieder gedacht, dass man mit den Mitarbeitern viel besser umgehen könnte.«
Heute ist Büchner in seinem Start-up, der DiConsus GmbH, der Chef von acht Angestellten. Ein Firmenbüro gibt es nicht, die Mitarbeiter arbeiten beim Kunden vor Ort oder von zu Hause aus. »Eine meiner Fragestellungen bei der Gründung war: Wie kann man eine Firma voll digital leben?«, schildert er seinen Ansatz. In der IT sei es so, dass die Berater – wenn es gut läuft – viele Stunden beim Kunden verbringen. »Und dann sollen sie doch die restliche Zeit nicht ins Büro fahren müssen, sondern lieber von zu Hause aus arbeiten«, findet Büchner. Und wenn es schlecht läuft? »Dann würden alle im Büro sitzen. Aber in diesem Fall will ich mir das ja eigentlich gar nicht leisten«, schließt der Geschäftsführer sein Plädoyer für das Home­office und eine dezentrale Firmenstruktur.

Coach statt Boss

Auch wenn Büchner seine Angestellten nicht täglich sieht, manche nicht einmal in der Region wohnen, berichtet er von sehr guten Beziehungen zu seinen Mitarbeitern. »Ich benutze in diesem Zusammenhang nicht gern das Wort Familie«, sagt der Vater von zwei Kindern. »Aber es ist wie eine Gemeinschaft von Freunden.« Das Geld, das er für eine Büromiete nicht ausgeben muss, investiert er – ganz im Geiste der vielzitierten »New Work« – in regelmäßige Veranstaltungen mit seinen Angestellten. Gemeinsame Abenteuer in einem Escape Room erleben, spannende Schießereien beim Laser-Tag oder einfach mal zusammen essen oder was trinken: Wer Lust und Zeit hat, der geht mit dem Chef und den Kollegen einmal im Monat auf Tour. Spaß machen sollen seinen Consultants aber nicht nur die Firmenevents, sondern vor allem auch die tägliche Arbeit. Deshalb setzt Büchner sie nach ihren Kapazitäten, aber auch nach ihren Vorlieben oder Interessen ein. »Und es kann auch schon mal sein, dass ich einen Mitarbeiter frage: Bist du noch glücklich, mit dem was du tust? Macht es noch Spaß, ist es spannend genug?« Wenn die Antwort nein laute, schaue er, wie er die Aufgaben anders besetzen oder tauschen könne, beschreibt der Geschäftsführer seine Strategie, um die Zufriedenheit seiner Beschäftigten sicherzustellen.

»Es bringt doch nichts, sich als Überchef darzustellen. Kooperativ zu führen ist der Weg, an dem alle am meisten Spaß haben.« – Timo Büchner, Geschäftsführer der DiConsus GmbH

Die flachen Hierarchien sind dem Gründer, gerade nach seinen eigenen Erfahrungen in größeren Unternehmen, eine Herzensangelegenheit: »Es bringt doch nichts, sich als Überchef darzustellen. Kooperativ zu führen ist der Weg, an dem alle am meisten Spaß haben.« Dieses Credo solle auch bei fortbestehendem Wachstum der jungen Firma seine Gültigkeit behalten. Das gilt auch für das Prinzip, mit seinen Consultants keine Zielvorgaben zu vereinbaren, wie es in vielen anderen Unternehmen üblich ist. »Ich möchte, dass sie sich selber motivieren und sich selber Ziele setzen«, erklärt er. Außerdem solle jeder seiner Berater »nur so viel arbeiten, wie er kann. Ich will meine Mitarbeiter nicht in den Burnout schicken«.

Experte für ServiceNow

Im vergangenen Dreivierteljahr ist die DiConsus GmbH recht ordentlich gewachsen. Seit November 2019 begrüßte Büchner vier neue Mitarbeiter, damit konnte er die Zahl seiner Angestellten praktisch verdoppeln. »Das müssen wir jetzt erstmal verkraften«, schmunzelt der Chef, der seine neuen Consultants zunächst in der Software ausbildet. Die Anwendung, mit der die DiConsus GmbH in erster Linie arbeitet, ist die Cloud-Plattform ServiceNow. »Das ist eine in sich voll integrierte Plattform zur Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen, sozusagen das Excel der Unternehmenstools«, beschreibt Büchner die Software, an der er nicht zuletzt die schöne und benutzerfreundliche Oberfläche schätzt.
Als ersten großen Referenzkunden konnte der Wolfenbütteler, der sich selbst für den Handel mit Wertpapieren interessiert, den Online-Broker Consors­bank gewinnen. An Aufträgen mangelt es ­Büchner bisher nicht, so dass er seinen Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut hat. »Gründen war die beste Entscheidung. Ich hätte es schon viel früher machen sollen, dann wären wir vielleicht schon bei 170 Mitarbeitern«, sagt der IT-Fachmann und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Digitalisierungspush durch Corona

Nennenswerte Einbußen durch die Corona-Pandemie hatte DiConsus nach Angaben des Geschäftsführers bisher übrigens nicht zu verkraften. »Wir haben eigentlich das gleiche gemacht wie zuvor. Anstatt direkt beim Kunden zu sein, haben wir aber quasi komplett von zu Hause gearbeitet«, berichtet er von Remote-Arbeit, die sich gerade bei cloudbasierten Anwendungen anbietet. Durch die Krise, so schlimm sie auch ist, erhofft sich Büchner langfristig sogar auch positive Effekte: »Ich sehe eine große Chance in Corona, weil das unsere Arbeitswelt in Sachen Digitalisierung noch fitter macht.« Zuvor wären zahlreiche Unternehmen, aber auch viele Arbeitnehmer nicht bereit gewesen, den digitalen Wandel der Arbeit vollständig mitzugehen. Dies, glaubt Timo Büchner, dürfte sich durch die Coronakrise und das damit einhergehende Social Distancing nachhaltig geändert haben. In der DiConsus GmbH ist dieser Kulturwandel in der Arbeitswelt längst gelebte Realität.
cm/IHK
(Quelle/Foto: Christoph Matthies, IHK Braunschweig, Gründer/in des Monats, Juli + August 2020, www.braunschweig.ihk.de)